Testudo kleinmanni LORTET, 1883 - die Ägyptische Landschildkröte

Die faszinierende kleine Schönheit Nordafrikas und Israels

Aufzucht

Da ich immer bestrebt bin, mich so nah wie möglich an der Natur zu orientieren, habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie ich die Aufzucht meiner Schlüpflinge gestalten möchte. Da Schildkröten im Allgemeinen von Natur aus mit allem ausgestattet sind, was sie fürs Leben brauchen, habe ich beschlossen, so wenig wie möglich einzugreifen und Bedingungen zu schaffen wie sie auch im Habitat für Schlüpflinge, Jungtiere und Adulte gleichermaßen gelten. Die Natur macht keine Ausnahmen. Deshalb gestalte ich die Aufzucht meiner Schlüpflinge und Jungtiere im Prinzip genauso wie die Haltung der "Großen", nur auf kleinerem Raum. Als Aufzuchtterrarium habe ich ein handelsübliches OSB-Terrarium mit den Maßen 120 x 60 x 60 cm eingerichtet. Es ist technisch fast gleich ausgestattet wie das große Terrarium meiner 5er-Gruppe.

Nach dem anstrengenden Schlupf bleiben meine Schlüpflinge noch einige Stunden in einer mit feuchtem Küchenpapier ausgelegten Brutschale im Inkubator und werden später, nach einem kurzen Gewichts- und Größencheck und einem Bad in sehr flachem handwarmem Wasser, direkt in das Aufzuchtterrarium gesetzt. Sie leben dort auf Sand-Lehm-Gemisch, haben verschiedene Möglichkeiten, sich zu verstecken (unter Pflanzen, in Toniglus oder unter einem großen Stück Totholz), können sich unter zwei verschieden starken UV-Lampen sonnen, haben flache Klettermöglichkeiten und bekommen das gleiche Futter wie die Adulten.

Schlüpflinge die nach dem Schlupf noch einen Dottersack aufweisen, verbleiben bis zur vollständigen Resorption des Dottersacks auf feuchtem Küchenpapier in der Brutschale im Inkubator.

Da in menschlicher Obhut die Paarungs-, Eiablage- und Schlupfzeiträume trotz naturnaher Haltung von denen in der Natur abweichen, muss man bei der Aufzucht der Schlüpflinge eine wichtige Ausnahme machen. In der Natur schlüpfen die kleinen Schildkröten zum Ende der Ästivation hin, wenn die Temperaturen etwas gesunken sind und die ersten Regenfälle bald einsetzen bzw. schon eingesetzt haben. So ist das Nahrungs- und Wasserangebot zeitnah nach dem Schlupf verfügbar. In menschlicher Obhut allerdings schlüpfen die Babies oftmals schon kurz vor der Sommerruhe oder währenddessen. Deshalb biete ich meinen Schlüpflingen ab Juni bis November die klimatischen Bedingungen des nordafrikanischen Frühherbstes (Ende September und Oktober), also des Zeitraumes, in dem sie natürlicherweise schlüpfen würden, an. Natürlich füttere ich auch dementsprechend getrocknete und frische Wildkräuter aus meinem Garten. Auch gelegentliche kleine Regenschauer und das regelmäßige Befeuchten der Schlafplätze sind für Schlüpflinge und Jungtiere besonders wichtig für ein gesundes glattes Panzerwachstum.

Weitere umfangreiche Informationen zum Thema Schlupf, Komplikationen sowie Aufzucht von Schlüpflingen mit zahlreichen Bildern finden Sie natürlich ebenfalls im Buch.


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