Testudo kleinmanni LORTET, 1883 - die Ägyptische Landschildkröte

Die faszinierende kleine Schönheit Nordafrikas und Israels

Der Nachzuchterfolg...

...setzt sich, meiner Meinung nach, aus verschiedenen Faktoren zusammen. Ein wirklicher Erfolg ist es in meinen Augen nur dann, wenn die Befruchtungsrate hoch und die Sterblichkeitsrate gering ist. Ein solcher Erfolg hängt davon ab, wie optimal die Haltungsbedingungen gestaltet werden, ob die Tiere gesund sind und artgerecht ernährt werden, ob sie stark gestresst wurden, zum Beispiel durch Erkrankungen und dadurch bedingte Medikamentengaben, zu häufiges Anfassen, eine ungünstige Gruppenzusammenstellung oder andere stressauslösende Faktoren.

Meine Nachzucht

Testudo kleinmanni PaarungBeim Paarungsakt stößt das Männchen "trillernde" Laute aus.

Die Paarungszeit beginnt bei meinen Tieren in etwa gegen Ende Oktober und zieht sich bis in den Februar hinein, wobei die Paarungsaktivitäten am häufigsten in die Monate Dezember und Januar fallen. Um seinen Weibchen zu verdeutlichen, dass er paarungsbereit ist strengt sich mein Männchen Cleo jedesmal immens an. Er umwirbt das ausgewählte Weibchen, indem er es hartnäckig verfolgt, umkreist und versucht es mit Rammstößen gegen den Panzer und Bissen und die Beine zu einer Paarung zu animieren. Lässt das Weibchen es zu, beginnt er von hinten auf das Weibchen aufzureiten.

Testudo kleinmanni beim Ausheben einer NistgrubeIst der Moment der Eiablage gekommen hebt das Weibchen mit seinen Hinterbeinen eine etwa vier Zentimeter tiefe Nistgrube aus.

Im Alter von knapp vier Jahren hob mein Weibchen Nomi völlig unerwartet zum ersten Mal eine Nistgrube aus und legte zwei Eier hinein. Zu diesem Zeitpunkt wog sie 180 g. Cleo wog während der vorangegangenen Paarungsversuche im Winter ca. 100 g und war zweieinhalb Jahre jung. Bis dato hatte ich mir über eigene Nachzuchten und was man alles dafür braucht gar keine Gedanken gemacht, dachte mir einfach nur, dass Cleo eine Art Dominanzverhalten zeigte indem er des öfteren aufritt. Ich war davon überzeugt, dass sicherlich noch zwei bis drei Jahre ins Land gehen werden, bis ich mich über Eier freuen kann. Da hatte ich wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht...

Testudo kleinmanni Weibchen bei der EiablageNachdem das Ei aus der Kloake ausgetreten ist, wird es vorsichtig mit den Hinterbeinen nach unten in die Nistgrube geschoben und dort sogfältig in Position gebracht.

Levi hatte zwar schon das erforderliche Gewicht erreicht, jedoch keinerlei erkennbare Anstalten in Richtung Eiablagen gemacht und Nomi hatte die, mir aus der Literatur und aus Unterhaltungen mit anderen Haltern bekannten, mindestens 200 g noch gar nicht erreicht. Da ich nicht vorbereitet war, musste ich improvisieren und bastelte mir auf die Schnelle einen Brutkasten selbst. Ich glaubte zwar nicht daran, dass diese Eier überhaupt befruchtet sein könnten, wollte es aber trotzdem versuchen, sie auszubrüten. Dreizehn Tage später legte Nomi nochmal zwei Eier. Alle Eier waren winzig klein (ca. 1,8 x 2,2 cm) und wogen 4 g bzw. 5 g. Nach etwa sechs Wochen platzte ein Ei aus dem ersten Gelege. Es war nicht befruchtet.

Die anderen drei blieben im Selbstbaubrüter, denn sie schienen sich tatsächlich zu entwickeln. Ich war sehr neugierig und wollte unbedingt alles genau untersuchen und beobachten, deshalb konnte ich mich nicht beherrschen und hatte sie vorsichtig durchleuchtet, um zu sehen, ob wenigstens in den drei übrigen Eiern Leben steckte. Ich konnte sehr deutlich die Blutgefäße und einen kleinen schwarzen Schatten, den Embryo, in den Eiern sehen. Nach 71, 81 und 92 Tagen Inkubationszeit, bei einer Temperatur zwischen 31,5 °C und 32.5 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 90%, schlüpften drei winzig kleine gesunde Babyschildkröten. Mittlerweile brüte ich mit der Jaeger Kunstglucke FB50. Die Eier brüte ich komplett vergraben in Sand-Lehm-Gemisch, das erscheint mir persönlich am natürlichsten.

Eier von Testudo kleinmanniEin Gelege aus zwei Eiern von Nomi - bei einem Körpergewicht von 235 g nach der Eiablage.

Im Jahr darauf läutete Nomi mit ihrer ersten Eiablage recht früh, schon Mitte Februar, die neue "Babysaison" ein. Im Abstand von 17 bis 23 Tagen legte sie je Gelege ein bis zwei Eier. Insgesamt zehn Stück mit einer Befruchtungsrate von 100%. Das erste der zehn Eier zeigte zwar zunächst Anzeichen einer Entwicklung, entwickelte sich nach einigen Tagen jedoch leider nicht mehr weiter und wurde nach ca. sechs Wochen entfernt. Die Temperatur im Inkubator beträgt konstant 32,5-33 °C. Mit dieser Temperatur habe ich zum Ziel weibliche Nachzuchten zu erbrüten. Die Luftfeuchtigkeit (gemessen im Substrat) liegt bei ca. 72%. Neun gesunde Schlüpflinge durfte ich in dieser Saison von Nomi begrüßen.

Eier von Testudo kleinmanniDas erste Gelege von Levi - bei einem Körpergewicht von 267 g nach der Eiablage.

Mein zweites adultes Weibchen, Levi, tat sich bei ihrer ersten Eiablage recht schwer. Neun Tage lief sie unruhig umher, suchte nach einer geeigneten Stelle, stellte Probegrabungen an und hörte dann wieder auf. Das ist bei einer ersten Eiablage nicht ungewöhnlich. Schlussendlich legte sie ihre ersten vier Eier in eine ziemlich tiefe Nistgrube. Die folgenden Eiablagen absolvierte sie dann vollkommen unkompliziert innerhalb weniger Stunden. Insgesamt legte sie im Abstand von 17 bis 27 Tagen sieben Eier in drei Gelegen mit einer Befruchtungsrate von 86%. Ein einziges Ei war unbefruchtet. Für eine erste Legesaison ist das eine recht gute Quote, wie ich finde.

Naturbruten bei Testudo kleinmanniIm Bodensubstrat des Aufzuchtterrariums liegen die Eier, die ich als Naturbruten zeitigen möchte.

Eine besondere Methode ist die Bebrütung einiger weniger Eier auf die natürlichste Weise, die es in menschlicher Obhut gibt: Naturbruten. Unter dem äußeren Lichtkegel einer 50 Watt starken UV-Lampe brüten einige Eier im Boden des Aufzuchtterrariums. Hier ist die Bruttemperatur, bedingt durch die Nachtabsenkung und die Wärmeabgabe der Lampe, großen Schwankungen unterworfen. Die Temperaturen sinken dort nachts auf ein Minimum von 18-22 °C und steigen tagsüber auf 34-36 °C an.  Das Ziel dieses Experiments ist, durch einen niedrigen Mittelwert der Bruttemperaturen, männliche Tiere zu erbrüten. Zwei kerngesunde kleine "Kerlchen" sind auf diese Weise erfolgreich geschlüpft. Auf einen weiteren kleinen "Kerl" warte ich noch sehnsüchtig.

Woran Sie erkennen können ob ein Ei befruchtet ist, welche Vorkehrungen zu treffen sind, wenn die Zeit der Eiablagen naht, woran Sie bevorstehende Eiablagen erkennen können und andere nützliche Informationen zum Thema Paarung, Eiablagen und Inkubation finden Sie selbstverständlich reichlich bebildert im Buch.


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